Geschichtliches über unsere Schule

Die Entwicklung der Marktleuthener Volksschule seit der Stadterhebung

(Quelle: Der Rußbuttenträger, 19. Jahrgang 2014, Nr. 38)

 

Die Schulverhältnisse vor 50 Jahren

Als am Vormittag des 16. Oktober 1954 der bayerische Innenminister, Dr. Wilhelm Högner, von Röslau kommend, die Grenze der nun 15 Tage alten Stadt Marktleuthen überführ, passierte er mit seinen Begleitern gleich drei der schönsten Gebäude unseres Ortes: den Gasthof zur Post, das Zentralschulhaus und die Gebhardtsvilla. Eine besondere Rolle im Rahmen der Feierlichkeiten zur Stadterhebung spielte unser Schulhaus. Schon im Juni hatten die Gemeinderäte beschlossen, für die Beschaffung neuer Pulte, Tische, Stühle und Vorhänge 5000 DM bereitzustellen. (Frankenpost 1.6.1954) Das Gebäude war nämlich noch recht heruntergekommen, weil in den letzten Kriegswochen dort ein Hilfslazarett für Amputierte eingerichtet worden war. Nun aber sollte im Rahmen der Feierlichkeiten eine Industrie- und Gewerbeausstellung in den Klassenzimmern stattfinden, und auch die heimischen Kunstmaler Wilhelm Beindorf und Rudi Tröger ihre Gemälde zeigen. Bis dahin musste also das Schulhaus auf Hochglanz gebracht werden – viel Arbeit, vor allem für den Hausmeister Gerorg Hautmann.

Für den Empfang des stellvertretenden Ministerpräsidenten hatte der neue Schulleiter Georg Schiller veranlasst, dass alle 275 Schüler ein Spalier vom Ortseingang bis zum Marktplatz bildeten, unter ihnen der Zweitklässler Helmut Ritter. Schiller hatte im Mai die Nachfolge des Ostpreußen Paul Kluke angetreten, der zum Rektor befördert und nach Gefrees versetzt worden war (Amtlicher Schulanzeiger für den Regierungsbezirk Oberfranken, Nr. 5 vom 10. Mai 1954). Neben Oberlehrer Schiller unterrichteten in den acht Klassen Robert Rauh, Emmi Hofmann (später Maierhofer), Maximiliane Hüttner, Konrad Lautner, Adolf Müller und Arno Schüller. Einige Lehrkräfte wohnten im Lehrerwohnhaus auf der Kappel (heute Adalbert-Stifter-Straße 17).

Eine Besonderheit der Marktleuthener Schule war, dass Schüler der Oberklassen, die im Deutschen mindestens einen Zweier hatten, schon in den ersten Nachkriegsjahren Englischunterricht erhalten konnten. Zunächst hatte Schulleiter Kluke hierfür den Hamburger Hans Habrich angestellt, vom Schuljahr 1954/55 an erteilte eine Lehrkraft aus Marktredwitz, Marianne Weidener, den Sprachunterricht. Und schlecht kann dieser (oder die Schüler ?) nicht gewesen sein, denn der Schrickers Fritz, ein begeisterter Amateurfunker, bestand mit seinen Kenntnissen aus „Peter Pim und Billy Ball“ sogar seine erste Funker-Prüfung.

Vom Schuljahr 1954/55 an konnte man allerdings außer im Lotto auch in der Schule einen „Sechser“ haben. Bis dahin war der Fünfer („nicht ausreichend“) die schlechteste Note. Die Erweiterung der Notenskala nach unten müssen wir heute wohl als böses Omen betrachten.

Die weitere Entwicklung unserer Schule wurde vor allem durch die Schülerzahlen, aber auch durch politische Vorgaben bestimmt.

 

Die Entwicklung der Schülerzahlen

  • 50er Jahre Anstieg über die 300er Marke

  • Ende der 60er JahrePolitik forderte Einrichtung mehrzügiger Schulen

  • Rechtsverordnung vom 5. Juni 1970

Entstehung eines größeren Schulverbandes (Stadt Marktleuthen, Markt Thierstein und die Gemeinden Birkenbühl, Großwendern, Höchstädt, Neudes, Raumetengrün, Reicholdsgrün und Schwarzenhammer bilden eine gemeinsame Volksschule mit Sitz in der Stadt Marktleuthen.

  • 615 Schüler
  • Alle 9 Jahrgänge wurden zweizügig geführt

    • ab 1970/71In der ehemaligen Volksschule Habnith wurde eine

      Sonderschule für Lernbehinderte untergebracht, die aber nur kurzen Bestand hatte.

    • Schuljahr 1970/71 Höhepunkt mit 657 Schülern

    • Von nun an ging es steil bergab. Durch die steigende Zahl von Übertritten an weiterführende Schulen und den sich bereits abzeichnenden Geburtenrückgang sank die Schülerzahl immer mehr.

    • 1989 Tiefpunkt mit 319 Schülern

    • Im Gefolge der Wiedervereinigung und des Zusammenbruchs der UdSSR kamen auch nach Marktleuthen zahlreiche Übersiedler aus der ehemaligen DDR und Aussiedler, vor allem aus Kasachstan. Dies führte noch einmal zu einem „Schülerberg“ von 381 Kindern im Jahr 1992.

    • Seither sinken die Schülerzahlen anscheinend unaufhaltbar.

    • Stand zum Oktober 2015: 75 Schüler in 4 Grundschulklassen

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