Vernissage in der Grundschule Marktleuthen am 04.07.2018                                                  um 17:30 Uhr

Das Gerüst – Das Projekt „Muse trifft Kunst“

Im Rahmen des Schuljahresprojekts „Muse trifft Kunst“ der Grundschule Marktleuthen finden allerlei Veranstaltungen und Aktionen rund um das Thema Kunst statt. Hierbei bedient sich die Schule mehrerer externer, speziell regionaler Künstler, die die Kinder authentisch an die verschiedenen künstlerischen Bereiche heranführen. Die Kinder wirken hierbei zum Beispiel bildnerisch mit dem bekannten freischaffenden Künstlerpaar Bärbel und Horst Kießling. Die musische Komponente wird mit der Bezirkskantorin des evang.-luth. Dekanats Selb, Frau Constanze Schweizer-Elser besetzt.  Frau Carolin Pruy-Popp vom Bayerischen Heimatverein für Landespflege wird in Zusammenarbeit mit Frau Annelie Batrla (Musikschule Selb + Bayerischen Heimatverein für Landespflege) die tänzerischen Eigenschaften der Kinder in klassischen Volkstänzen schulen.

Eine künstlerische Teildisziplin ist die Literatur und hier insbesondere die Poesie. Die Kunst der Wörter. Diese Wortkunst ist Gegenstand eines Workshops der 4ten Klasse. Begleitet wird dieser Poesieworkshop vom Dichter Volker Seitz, Rektorin Colette Silbermann und der Lehrerin für Heimat- und Sachunterricht Manuela Schill.

Der Ausgangspunkt – Die Heimatgeschichte

Thematischer Ausgangspunkt des Poesieworkshops ist die regionale Heimatkunde, welche im Lehrplan der 4ten Klassen in Bayern fest verankert ist. Die Schule konnte hierbei mit Herrn Harald Stark, Archiv- und Heimatpfleger im Landkreis Kulmbach, eine Koryphäe gewinnen. Harald Stark, dessen Wurzeln in Marktleuthen liegen ist ein ausgesprochener Fachmann der Stadtgeschichte des Ortes und gleichzeitig auch ein kinderfreundlicher und sympathischer Erzähler. Die Schüler wurden durch seine lebhaften und anschaulichen Geschichten über „ihr“ Marktleuthen in den Bann gezogen. Neben einer klassischen Lehrstunde im Klassenzimmer diente ein historischer Stadtspaziergang durch das Städtchen an der Eger zur Intensivierung der Inhalte. Die Kinder sahen hierbei ihre Heimatstadt aus diesem ganz besonderen Blickwinkel mit den eigenen Augen.

Der spannende Spaziergang führte z.B. um den historischen Kern, über die ehemaligen Gräber des ersten Friedhofs außerhalb der Stadt, durch den Pestilenzsteig, vorbei am Hirtenhaus, über das mächtige Sühnekreuz zur Färberei. Die Kinder sahen das älteste Haus von Peter Mullner und das älteste Steindenkmal von Marktleuthen und lauschten den Geschichten über die „Egerscheißer“ oder den „schwebenden Taufengel“ in der zentralen Kirche St. Nikolaus. Warum die Fleischgasse heute so heißt und früher die Mistgasse war und was es mit dem Tempel auf sich hat? Auch hierauf bekamen die Kinder ihre Antworten.

Aber nicht nur für Historiker und für geschichtlich Interessierte sind Spaziergänge an die zentralen Geschichtsstätten von Bedeutung, sondern auch Schriftsteller, speziell Lyriker/Poeten bedienen sich – neben dem Gehörten – auch besonders dem Gesehenen bzw. dem leiblich Erfahrenen. Die Orte, Häuser und Bewohner bieten genügend Stoff, Spannendes und Heiteres, für Geschichten und Gedichte. Damit werden sie (wieder) lebendig. Also dienten auch die historische Stadtkulisse und deren Geschichten darüber, als Ausgangspunkt für den Inhalt der Gedichte. Das geistig Gelernte und das physisch Gesehene/ Erfahrene Marktleuthen werden zum Gegenstand der Poesie.

Das Konzept – Die konkrete Poesie

Es gibt neben der klassischen Poesie mit ihren Sonetten und Reimgedichten auch einen weiteren, modernen oder zeitgenössischen Zweig der Poesie – die konkrete Poesie. Begründer oder zumindest Mitbegründer ist der in Rehau lebende, heute 93jährige Künstler Eugen Gomringer. Eugen Gomringer wurde 1925 in Bolivien geboren und ist in der Schweiz aufgewachsen. Auf seinen beeindruckenden Lebenslauf und seine weltbekannten Wegbegleiter soll an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden. Fakt ist, dass seine in den 1950er Jahren entwickelte Poesie heutzutage in aller Munde ist. Sein Gedicht „schweigen“ rangiert bereits in den Gedichte-Charts in den Top-100. Aktuell ist sein Gedicht „avenidas“ in aller Munde (und Augen), da es großformatig an einer Berliner Universität prangend, wohl übermalt werden muss. Anscheinend weil es sexistisch ist. Auch auf die geführte „avenidas“-Debatte soll an dieser Stelle nicht eingegangen werden.

Auf der Hand liegt, einen zeitgenössischen Künstler bzw. Poeten heranzuziehen, welcher in der Region, in unserer Heimat lebt und dessen Popularität aktuell äußerst groß ist. Auf der Hand liegt auch, dass der formale Aufbau, die Struktur des Gedichts „avenidas“ (deutsch: Straßen) – Gomringer nennt diese Art von Gedicht „Konstellation“ – ein Leitfaden für die Gedichte der Schüler sein kann. Die konkrete Poesie ist nämlich einfach, spielerisch, knapp und frei und damit auch prädestiniert für Kinder. Das Gedicht hatte in seiner Erstveröffentlichung noch den Titel „ciudad“ (deutsch: Stadt). Natürlich liegt es auch nahe, das Wort „Stadt“ und das Wort „Straßen“ inhaltlich in Verbindung zum Spaziergang durch die eigene Heimatstadt zu bringen.

Die Schulfamilie lädt alle Interessierten am Mittwoch, dem 04.07.2018 um 17:30 Uhr, ganz herzlich in die Grundschule Marktleuthen ein, um die Kunstwerke der Kinder in der Vernissage "orte und worte" zu bewundern. Über zahlreiche Besucher würden wir uns sehr freuen.

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